Aloha aus Aruba

Unzählige Jahre kreative Schreibpause liegen hinter mir. Die Worte wollten einfach nicht mehr sprudeln. Der Wortwitz schlief ein. Sehnsüchtig las ich mitunter alte Texte und fragte mich: Wer hat das geschrieben? Zu surreal erschien mir die Vorstellung, dass die Blogs der FreitagsFrage für den Oscar oder meine Texte für meine Seite „GedankenGlut“, die sogar letztlich in einem Buch landeten, aus meiner Feder entstammten. Und so verdrängte ich immer wieder erfolgreich mein schlechtes Gewissen in Anbetracht der Vergeudung von Potential. Hoffte auf DEN Impuls, der natürlich nie kam.

Doch nun ist es soweit, ich hab mehr als einen Grund, endlich wieder in die Tasten zu hauen. Die Erfüllung eines Lebenstraumes rückt näher: Reisen, lange Reisen, sehr lange Reisen. Schon als kleine Lütte träumte ich von der großen weiten Welt. Die Erbmasse meiner reisebegeisterten Eltern ließ sich nicht verleugnen. Aus vielen Flausen im Kopf; diese reichten von einer Motorradtour von Venedig nach Peking auf Marco Polos Spuren, über eine Wohnmobiltour entlang der kompletten europäischen Küste bis hin zum Langzeittrecking mit Rucksack auf zwei Beinen; landete ich beim Segeln.

Vor ziemlich genau drei Jahren entdeckte ich auf Curacao, dass ich Seebeine habe. Eine ruppige Bootsfahrt ohne spuckendes Fischleinfüttern war Animation genug, einfach den Sportbootführerschein zu wagen. Kurz darauf landete ich auf einem Segelboot. Und die Begeisterung war grenzenlos. Glückstränchen und Gänsehaut begleiteten meinen ersten Törn über die Ostsee. Es war eigentlich kalt und nass und ungemütlich. Aber ich war angekommen. Infiziert. Stürzte mich voller Leidenschaft ins Abenteuer – über den Ärmelkanal, vor der portugiesischen Küste, durch die Straße von Gibraltar, von Marokko nach Lanzarote und in der Karibik sammelte ich wertvolle und atemberaubende Erfahrungen. Unvergessen bleibt meine erste Nachwache alleine auf dem Atlantik, ein paar hundert Seemeilen hinter Tanger: Unter einer Milchstraße, wie man sie wohl nur noch auf See oder in der Wüste erlebt, lag ich dick eingemummelt im Ölzeug im Cockpit und staunte über Stunden. Noch heute rühren mich diese Erinnerungen zu Tränen. In der Heckwelle schwammen und quietschten die Delfine, begleiteten mich über Stunden durch die Wache. Blaues Meeresleuchten, wenig romantisch als Biolumineszenz bezeichnet, hatte etwas magisches. Worte können kaum beschreiben, was eine solche einsame Nacht im Cockpit im Innersten auslöst. Fakt ist und war – ich wollte mehr. Und plante, wie ich unter Segeln um die Welt komme. Oder zumindest in die weite Welt.

Ich glaube ja ganz fest an die erfolgreichen Bestellungen beim Universum. Was man sich ganz dolle wünscht und in Gedanken regelrecht manifestiert, fast schon lebt, wird geschehen. Und so geschah es. Amor schlug gleich doppelt zu – er sendete einen passenden Seebären zum perfekten Langfahrtsegler. Eine Lagoon 380 soll nun für unbestimmte Zeit unser Zuhause werden. Seit ein paar Tagen sind wir mit dem Schätzchen auf Aruba und bereiten uns auf die Langfahrt vor. Nach drei Monaten in der Marina ist die CASA Antonia ein echtes Schmuddelkind. Holger nennt sie liebevoll unsere teure Auslandsstudentin. Ich eher – Dreckspatz. Aber es wird. Einiges an Arbeit steht in den ersten Tagen an. Putzen, entrosten, kärchern. Vorratsplanung, einkaufen, bunkern. Wassermacher einbauen, Technik checken, Sicherheit an Bord. Boot ins Wasser bringen, Wetterrouting, Tourenplan. Und dieser ändert sich nicht nur täglich, sondern mehrfach täglich. Gerade das Wetterrouting scheint uns zu veralbern. Die Vorhersage mutmaßt hier 20 Knoten Wind, die Realität liegt eher bei 25 Knoten, in Spitzen 35. Nicht gerade vertrauenserweckend. Aber zum Glück hetzt uns nichts. Und es ist ja auch spannend, nicht zu wissen, ob man in Antigua, St. Martin, den BVIs, Grenada landet oder letztlich auf den ABCs bleiben wird. Denn sicher ist: Das Risiko, in einen Sturm zu geraten, werden wir so gering wie möglich halten…

Soweit erst mal zum Ostersonntag, jeah, mein erster Blog seit ungezählten Jahren!

Aloha aus Aruba

2 Comments

  1. Walter Bromme

    Wünsche Dir und euch von ganzem Herzen viel Erfolg, eine schöne Zeit und bleibt gesund

  2. Gerd Weighardt

    Liebe Livia, Wirklich sehr inspirierend und unterhaltsam geschrieben. Wir wünschen Euch unvergessliche Erlebnisse bei Eurem Lebenstraum. Genießt einfach alles, ganz liebe Grüße von Cerstin und Gerd

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