Von Mut und Resilienz

„So mutig wäre ich nicht, aber ich bewundere dich dafür!“

Wie oft hörte ich diese und ähnliche Worte. Zumeist verblüfften sie mich. Lediglich im Moment des Aufbrechens in die Ferne ereilt mich zuverlässig die Angst vor der eigenen Courage. Kurz und heftig. Es kullern die Tränchen und insgeheim hoffe ich, dass irgendwas mich zum Umkehren zwingt. Ins sichere Zuhause, zu meinen Kindern, der Familie, meinen Freunden und zu meinen wunderbaren Nachbarn. Glücklicherweise hält dieser Zustand nicht lange an und ganz weiß ich – je schlimmer das Lampenfieber, umso besser wirds.

Die wahren mutigen Helden des Lebens verbergen sich für mich hinter den Menschen, die so ganz nah bei sich in einem Zuhause sind. Das „ganz normale“ Leben leben und lieben. Sich nicht nur arrangieren. Sondern auch ihren klassischen Alltag dankbar gestalten. Das schaffte ich so richtig (noch) nicht. Immer fühlte ich mich (an)getrieben von Neugier und Sehnsucht. Nicht, weil ich flüchten wollte, vor irgendwas oder irgendwem. Einfach, weil ich Lust auf die Welt hatte. Auf Begegnungen mit überraschenden Menschen. Auf diese Momente, in denen man beispielsweise auf die Brandung schaut und den Elementen so nah ist. Wenn der Wind fast schmerzhaft um die Ohren weht, so sehr in die Nase drückt, dass das Atmen zugleich schwer und befreiend ist. Wenn die salzige Gischt auf die Augen trifft und zu Tränen rührt. Wenn man die Arme in die Luft reißt, schreien möchte und gleichzeitig ehrfürchtig verstummt. Wenn man nicht weiß, ob man rennend das Glück einfangen wird oder meditierend vorm Meer im Schneidersitz versinkt. Die Sehnsucht nach diesen Momenten ist mein Antrieb. Die Neugier auf Menschen, die nur wenige Flugstunden entfernt ein so anderes Leben leben und der Blick darauf, was uns verbindet. Ich liebe es, Menschen mit meiner Nationalität zu überraschen. Ausnahmslos nie wurde mir meine deutsche Herkunft zum Verhängnis. Unser guter Ruf weltweit eilt uns voraus. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind Tugenden, die man ebenso mit uns verbindet wie Humorlosigkeit. Welch Freude, dieses Vorurteil zumindest ein klitzkleines bisschen zu entkräften und zu zeigen – hey, auch wir Teutonen kennen Tränenlachen, Genuss, Lebensfreude und Frechheiten.

Und so fühle ich mich gar nicht übermäßig mutig. Durchaus jedoch resilient. Denn genau dieser stetige Aufbrechen und Losziehen birgt für die einen Gefahren, für mich eher Überraschungen. Ob es ein gebrochenes Radiusköpfchen kurz vorm Abflug, eine wahrlich umwerfende Covid-Infektion mittendrin oder ein Sturz von Bord am Ende einer Reise ist. Das alles gilt es mit Geduld, Gelassenheit, Humor und Achtsamkeit zu meistern. Und für mich steht da ganz weit vorne die Frage: Was will mir das alles sagen? Nichts esoterisches, eher als Lektion zu verstehen. Muss ich achtsamer werden – was meinen Körper, meine Seele, mein Herz betrifft? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass gerade solch einschneidenden Erlebnisse im Leben keinen Sinn haben sollen. Und wenn es nur der Sinn ist, daran zu wachsen, resilienter und stärker zu werden, den noch folgenden Widrigkeiten des Lebens mit noch mehr Gelassenheit und Geduld die Stirn zu bieten. Immer wieder rückblickend sagen zu können. Ich habe DAS geschafft, also werde ich auch DAS schaffen.

Und so ist gerade wieder einer dieser Momente, in denen einen ein Ereignis mal so richtig aus der Bahn kickt. Zeigt, dass alle Pläne ad absurdum geführt werden, wenn es einfach nicht mehr geht. Zumindest mit dem aktuellen Plan. Zeit für Alternativen… Noch offenbaren sich nicht selbige, aber das Schicksal wird sich wohl was dabei denken, wenn es mal eben alles über den Haufen wirft. Möglicherweise war der eigene Plan nicht vollkommen genug, barg ungeahnte Gefahren und es gibt einen noch viel besseren Weg. Dafür bin ich offen und bereit. Komme, was mag. Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zehrt es dahin. Oder muss es heißen „zerrt“. Keine Ahnung, ist auch egal.

Aloha aus Aruba

One Comment

  1. Dierk

    Hallo Livia. Ich lese begeistert Deine Beiträge. Was ist denn passiert, dass Deine Pläne ad absurdum wurden? LG Dierk

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